Atlassian, Microsoft oder ServiceNow – wer macht das Rennen?

Atlassian, Microsoft oder ServiceNow? Wer gewinnt das Rennen in der agilen Welt? Im neunten Teil der Reihe zur Empirischen Geschäftsprozesssteuerung wagen wir eine Prognose über die grobe Verteilung der Markanteile der agilen Softwarelösungen für die nächste Dekade und wer mittelfristig „das Rennen macht“.

Die IT-mäßige Unterstützung von agilen Teams konzentriert sich einerseits auf Wikis zur Dokumentation und andererseits auf Ticket-Lösungen zur aktiven Steuerung der Unternehmensprozesse. Derzeit dominiert die australische Firma Atlassian mit ihren Produkten Confluence (Wiki) und JIRA (Ticket) den Markt mit weitem Abstand. Ein weiterer starker Teilnehmer die Firma ServiceNow aus den USA. Sie ist bekannt für ihre ITSM-Lösungen (IT Service Management), die ebenfalls große Erfahrungen mit Ticket-Systemen haben. Als dritten großen Anbieter sehe ich Microsoft. Microsoft ist in den meisten Unternehmen als Softwarelieferant zu finden. Zu den etablierten Lösungen zählen Sharepoint (Wiki) und der Team Foundation Server (Tickets). In den vergangenen Monaten lässt sich zudem beobachten, dass Microsoft mit dem Abo-Modell Office 365 verstärkt in die Domäne von Atlassian eindringen möchte. Neben den klasssichen Apps und Dienste wie Word, Excel, Sharepoint, Exchange treten vermehrt neue Lösungen wie Planner (Tickets), Flow (Automatisierung), StaffHub (Persona- Einsatzplanung), Forms (Formulare), Sway (Reporting) uvm.

Dennoch gehe ich davon aus, dass sich Atlassian, auf die nächsten zehn Jahre gesehen, einen ähnlichen Status erarbeiten kann wie es die SAP im Bereich der ERP-Lösungen ist. Denn zunächst hat Atlassian einen enormen technischen Vorsprung gegenüber seinen Mitbewerbern. Vieles, woran die Konkurrenz derzeit arbeitet, hat Atlassian bereits erfolgreich im Einsatz. Folglich kann sich Atlassian voll auf die Weiterentwicklung konzentrieren, ohne erst die Basis dafür schaffen zu müssen. Zweitens, sieht das Geschäftsmodell ein grundlegende Arbeitsteilung vor. Während sich Atlassian um die technische Basis kümmert, werden zahlreiche Funktionalitäten erst durch Add-ons von Drittanbietern bereitgestellt. Beispielsweise der maßgeschneiderte Export nach Excel durch „Scroll Office“ oder das Automatisieren mit „ScriptRunner“ von Adaptavist.

Den gewichtigsten Vorteil sehe ich aber in den unterschiedlichen Firmenphiliosophien. Atlassian hat von Anfang an auf eine aktive Community gesetzt, die ihr Wissen gerne teilt. Dazu gehören bspw. kostenlose Treffen und Vorträge von „Agilisten“ bei Firmen, die Atlassian-Produkte einsetzen. Atlassian unterstützt nicht nur solche Treffen organisatorisch (bspw. indem Atlassian-Mitarbeiter Vorträge halten) sondern auch finanziell. Des Weiteren investieren Atlassian und die Drittanbieter viel Zeit und damit Geld in eine saubere Dokumentation, die kostenlos einsehbar ist. Zu dieser Transparenz gehört aber auch, dass insbesondere die Atlassian-Foren frei zugänglich sind. Wenn man nun davon ausgeht, dass in 99 Prozent der Fälle, das eigene Problem schon jemand anders hatte und man dies einfach „googeln“ kann, ist das ein enormer Vorteil. Und selbst, wenn man dort nur liest, dass es nicht funktioniert, erspart man sich viel „rumprobieren“. Die klassischen Softwareanbieter setzen im Gegensatz dazu bislang auf Herrschaftswissen, um das eigene Consulting- und Schulungsmodell nicht zu gefährden. Das könnte sich in Zukunft rächen.

Quelle: DATANYZE – Atlassian Market Share and Competitor Report, reviewed 5.6.2018.