Beispiel Agile Transformation

„Confluence? JIRA? Ja, das habe ich schon mal in der IT-Abteilung gesehen“. Das hören wir in unserer Beratungstätigkeit häufig. Im siebten Beitrag zur Empirischen Geschäftsprozesssteuerung möchte ich jedoch anhand eines Beispiels aufzeigen, dass die agilen Tools wie bspw. JIRA oder Confluence zunehmend in andere Unternehmensbereiche vordringen werden und massive Auswirkungen auf die bisherige Aufbau- und Ablauforganisation von Unternehmen haben werden.

Viele dürften mit der Aussage Microsofts vertraut sein, wonach Windows 10 das letzte Windows sei und es künftig nur noch Updates gebe. Hinter dieser simplen Aussage steckt jedoch ein hochkomplexes Thema. Bis zu Windows 10 hat Microsoft alle 3 bis 5 Jahre ein neues Betriebssystem auf den Markt gebracht (zB XP, Vista, Windows 7, Windows 8). Spätestens mit dem Release einer neuen Betriebssystemversion begann die Arbeit an einem Nachfolger. Das heißt, man startet mit einem Lastenheft („Was soll der Nachfolger können?“), leitet daraus einen Projektplan ab, stellt das Team zusammen und beginnt mit der Entwicklungsarbeit. Gegen Ende des Projekts stehen das Zusammenführen der einzelnen Funktionen und Entwicklungsstränge und die abschließenden Tests. Die Marketing-Abteilung und der Vertrieb sind zwar meist von Beginn an involviert, aber die Hauptarbeit fällt erst relativ kurz vor der Veröffentlichung an.

Wenn man nun im Zuge der Agilen Transformation diesen klassischen Wasserfall-Ansatz verlässt, hat das Auswirkungen auf viele weitere Geschäftsbereiche. Dazu zählen insbesondere die Marketing- und Vertriebsabteilung, die Forschungsabteilung und das Controlling. Dadurch, dass fortlaufend und in kurzen Abständen „auf den Markt“ gebracht wird, wird eine viel stärkere Verzahnung der einzelnen Bereiche in crossfunktionalen Teams notwendig. Das bedeutet aber auch, dass die Tools aus der IT zukünftig von einem neuen Nutzerkreis erschlossen und genutzt werden müssen. Letztlich bewirkt die Agile Transformation in der Softwareentwicklung ebenfalls eine Digitale Transformation anderer Geschäftsbereiche, um diesen integrierten Ansatz nutzbringend und effektiv verfolgen zu können. Aus diesem Grund sollten sich nach unserer Auffassung die Mitarbeiter und die Verantwortlichen (Gruppenleitung, Abteilungsleitung, Fachbereichsleitung) aus den „klassischen“ Unternehmensbereichen frühzeitig mit den Tools der agilen Arbeitswelt vertraut machen.

Quelle: SPON vom 11.5.2015